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Neujahrsempfang 2017 des SPD Ortsvereins Altenriet

Sonntagsschutz und Wachstumswahn

Ohne Wachstum geht es nicht – aber mit Wachstum auch nicht

Der Ortsvereinsvorsitzende Hans-Georg Kruse konnte am Freitag, den 20. Januar 2017, im evangelischen Gemeindehaus zum Neujahrsempfang der SPD Altenriet viele Gäste begrüßen. Persönlich willkommen hieß  er Bürgermeister Edelmann aus Schlaitdorf, Bürgermeister Müller aus Altenriet, den Hauptredner des Abends, Sozial- und Wirtschaftspfarrer Romeo Edel sowie den Hausherrn Pfarrer Michael Walter. Ein besonderer Willkommensgruß galt Frau Heidrun Dolde, die den Neujahrsempfang musikalisch am Klavier begleitete.

Framing (auf Deutsch rahmen, einbinden) entscheidender als der Inhalt

Pfarrer Walter blickte mit Sorge auf die Amtseinführung von US- Präsident Trump. Nach der Analyse einer Linguistik-Professorin aus Barkley, USA, war der Wahlerfolg von Trump auf „Framing“ zurückzuführen, der in seinen Reden mehr Wert auf den Rahmen als auf den Inhalt legte. Am Beispiel „halb volles / halb leeres Glas“ könne der Unterschied deutlich gemacht werden. Die Sachlage sei die gleiche, die Betrachtungsweise jedoch unterschiedlich. Die Jahreslosung der ev. Kirchengemeinde für 2017 „Gott spricht, ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“ sei der positive Rahmen, um gegen die Angst vor Flüchtlingen und Verfremdung anzugehen. Der SPD wünschte Pfarrer Walter auch ein neues „Frame“ für die kommenden Wahlen. Mit einer stimmungsvollen Eigenkomposition am Klavier leitete Frau Dolde zum Grußwort von Bürgermeister Müller über.

Freiheit und  Mitmenschlichkeit als feste Säulen der Demokratie

Bürgermeister Müller begrüßte die anwesenden Gäste und gab einen Einblick in die aktuelle finanzielle Situation der Gemeinde Altenriet. Der Ort stehe besser da als in den vergangenen Jahren. 2016 war das Jahr der Konsolidierung, 2017 seien Investitionen in Höhe von 750.000 EUR geplant. Vom Landkreis würden der Gemeinde Altenriet dieses Jahr voraussichtlich 44 Asylsuchende bzw. Flüchtlinge zugeteilt.  Trotz der terroristischen Anschläge und der Fremdenfeindlichkeit gelte es, die Freiheit  und die Mitmenschlichkeit zu bewahren. Sie seien feste Säulen der Demokratie. Bürgermeister Müller dankte allen Ehrenamtlichen, die sich für das Gemeinwohl der Kommune sowie hier für die Freiheit und Mitmenschlichkeit eingesetzt haben. 2017 sei ein Wahljahr. Im Frühjahr werde der neue Bundespräsident gewählt, in drei Bundesländern fänden Landtagswahlen statt, in Altenriet stehe die Bürgermeisterwahl an. Müller bat eindringlich darum, wählen zu gehen und den nachfolgenden Generationen Demokratie vorzuleben. Den Gästen konnte Frau Dolde am Klavier eine weitere schwungvolle Eigenkomposition präsentieren, die mit viel Applaus bedacht wurde.

Sonntagsschutz versus Wirtschaftswachstum

Der Hauptredner des Abends, Pfarrer Romeo Edel, ist bei der Landeskirche im Sonderdienst Wirtschaft und Soziales tätig. Edel führte aus, dass der Sonntag als arbeitsfreier Tag gesetzlich geschützt sei und nicht für verkaufsoffene Tage genutzt werden könnte. Vereinsveranstaltungen, Familienfeiern und Dorffeste könnten dann stattfinden, wenn viele Menschen arbeitsfrei hätten. Auch die Behörden arbeiteten sonntags nicht.  Natürlich gebe es  Einrichtungen wie Rettungsdienste, Verkehrsbetriebe, Gaststätten, Kulturveranstaltungen etc., die sonntags arbeiteten. Es sei aber eine gemeinsame Verantwortung, der gesetzlichen Vorgabe nachzukommen. Auch das Bundesverfassungsgericht habe in einem Urteil die Ausübung der Religion und die körperliche Unversehrtheit entsprechend dem Grundgesetz als hohes Gut für einen arbeitsfreien Sonntag bestätigt. Um einen Sonntag als verkaufsoffenen Tag genehmigt zu bekommen, habe das Bundesverwaltungsgericht enge Grenzen gesetzt. Es könnten bis zu drei verkaufsoffene Sonntage pro Jahr genehmigt werden.  Der Anlass sei entscheidend. Dies könne z.B. eine Kirbe sein, weil mehr Menschen wegen des Anlasses kämen, als wegen des verkaufsoffenen Sonntags. Es müssten dazu aber entsprechende Regelungen getroffen werden. Ohne Regelungen, so Pfarrer Edel, gebe es keine Freiheit. Gesetze, Verordnungen und Regulierungen hätten zum Atomausstieg und zu einer besseren Umwelt geführt. Heute könne man, im Gegensatz zu früher, in öffentlichen Gewässern, Seen und Flüssen baden. Die Regulierungen trügen somit zu mehr Freiheit bei.
Im zweiten Teil seines Vortrags zeigte Pfarrer Edel  die Argumente der Befürworter der Sonntagsarbeit auf. Das seien vor allem wirtschaftliche Interessen wie mehr Wachstum, die als zwingend notwendig gesehen würden.  Mehr Wirtschaftswachstum bedeutete aber auch mehr Ressourcenverbrauch. Besonders der Verbrauch von fossilen Brennstoffen könne nicht uneingeschränkt wachsen, da geplant sei, den Ausstoß von Schadstoffen in die Atmosphäre bis 2050 um 50 Prozent zu reduzieren. Auf dem Weg, dieses Ziel zu erreichen, seien im Wohnungsbau durch bessere Dämmung und effizientere Heizungen bemerkenswerte Einsparungen erreicht worden. Verwässert würden die Einsparungen durch den Anspruch auf den doppelten Wohnraum pro Person gegenüber früher. Ein uneingeschränktes Wirtschaftswachstum und die wachsenden Ansprüche jedes  Einzelnen könnten nicht unendlich fortgesetzt werden.  Es sei ein Umdenken dringend geboten. Eine ökologische Finanzreform, welche die Schere zwischen arm und reich verringern und ein Wirtschaftsmodell, das den Ressourcenverbrauch auf das notwendige Maß reduziert,  könnte zum Umdenken beitragen. Nicht materieller Besitz mache glücklicher, sondern die Zeit, die wir mit anderen teilen. Damit beendete Sozial- und Wirtschaftspfarrer Romeo Edel seinen Vortrag.

Einen musikalischen Genuss zum Schluss bot Frau Dolde mit einer Klavier-Interpretation des Songs „What a wonderful world“. Der Vorsitzende des SPD Ortsvereins, Hans-Georg Kruse, bedankte sich bei allen, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben und überreichte an die Redner des Abends, Pfarrer Walter, Bürgermeister Müller, Pfarrer Edel sowie an die musikalischen Begleitung Frau Heidrun Dolde als Anerkennung ein kleines Geschenk.

Die Vorstandschaft des SPD Ortsvereins